Jetzt seid ihr also hier an der Uni, alles ist neu und fremd, ihr müsst euch erst einmal eingewöhnen, und jetzt will schon wieder irgendwer etwas von euch. Aber genau das ist es: Ich möchte euch dazu auffordern, euch gerade nicht an alles zu gewöhnen, alles als gottgegeben hinzunehmen, und nicht immer nur an euch zu zweifeln, sondern auch zu fragen, ob die Uni euren Erwartungen gerecht wird, und ob vieles nicht besser laufen könnte.
Zumindest an einem Punkt werden an der Uni Zweifel sehr schnell ausgeräumt, nämlich von wem Bildung kommen kann: Nur von den Professoren. Der Professor weiß etwas, und ihr schreibt es mit und lernt es. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, denn die meisten Professoren sind in ihrem Fachgebiet wirklich gut, wenn auch ihre didaktischen Fähigkeiten oft zu wünschen übriglassen. Die Frage ist vielmehr: Kann und muss Bildung nur von Professoren kommen? Und wieso traut sich an der Uni fast kein Professor, sein Fachgebiet einmal zu verlassen, nicht nur Spezialisten noch weiter zu spezialisieren, sondern für alle zu versuchen, die größeren Zusammenhänge darzustellen?
Nun, es hängt sicher mit der jetzigen Struktur der Uni zusammen. In einer Zeit, wo die Universitätsausbildung nicht mehr als Möglichkeit der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und des Erwerbs von Wissen verstanden wird, das einem verhilft, sich selbst und die Welt zu verstehen, sondern vor allem darauf zielt, schnell und billig für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, wird das Studium zwangsläufig immer verschulter und das erworbene Wissen auf einen immer schmaleren Bereich beschränkt.
Dem wollen wir, der AK Alternative Uni, ein eigenes Konzept von Bildung entgegenstellen. Wir sind der Meinung, dass Bildung sich nicht auf bloße Berufsausbildung reduzieren lässt, sondern mit kritischem Denken, Wahrheitssuche, wissenschaftlicher Neugier und Selbstverwirklichung untrennbar verknüpft ist. Darum wollen wir einen alternativen Rahmen bieten, der Bildung jenseits des Vorlesungsverzeichnisses ermöglicht.
Bei uns kann jeder, der möchte, eine Veranstaltung anbieten. Vielleicht haben sich einige von euch in ihrer Freizeit mit einem Thema beschäftigt und wollen anderen etwas darüber erzählen: Wir bieten euch die Möglichkeit dazu. Dabei sind nicht nur Vorträge gefragt: Ob ihr eine Diskussionsrunde oder eine Lesung anbieten, ein Referat zu einem Thema halten oder einen Film vorstellen und darüber diskutieren wollt: Wir sind an keinen konventionellen Rahmen gebunden und werden uns um alles Organisatorische, vom Veranstaltungsort bis zur öffentlichen Bekanntmachung, kümmern.
Wo und wie ihr mehr über uns erfahrt, steht unten bei den Kontaktadressen.
Also: Lass dich nicht vom Uni-Alltag schlucken, bleib kritisch und trau dich, deine Kritik auch öffentlich zu artikulieren. Und vielleicht sehen wir uns ja auf einem Treffen des Arbeitskreises oder bei einer alternativen Veranstaltung wieder!
Torsten Nahm